REBENBERG

Späte Lese

Der Verlierer der hellblauen Reisetasche oder Fasten seat bell. Welches ist das Wort des Anfangs? Ich bin schon mittendrin, mit Keks und Cola - das reicht bis nach Wien. Das Reich der Wolken. Das Reich der weißen Sonne. Ein blauer Himmel, eine gelbe Öse und eine rote Schrift: No step. Das ist richtig, Schritte tragen hier nicht. Für Zwischenreiche braucht es Flügel. Aber es gibt nur eine Life vest. Lebensweste. Schwimmweste? Vielleicht ist auch das richtig: wir schwimmen im Leben.

Vor mir zwei junge Karrieretypen, die dauernd reden. Permanent radio (english!). Handy for everybody, Laptop und Flipflops for everybody. Der Knopf am Ohr (Steiff-Tier?) jederzeit! überall! Permanent. Solo Traveler. Ich reise zu zweit. Wir reisen zu zweit. Wie sagt man?

Caution contents Hot: Capuccino, kein Wiener Melange. Wir warten auf den Anschlußflug nach Athen. Trübe Aussichten. Der Himmel ist grau, unter den Stühlen zieht es. Überwältigende Ansichten von Menschensorten, und alle sind sehr, sehr wichtig. Tiefergehende Einsichten bleiben verschwiegen, man landet höchstens in tiefen Dekolletes. Schließlich sinke ich in einen Sessel am Fenster. Gelbe Männlein winken Vögel herbei. Blaue Männlein verladen Gepäck. Rote Männlein halten die Vögel an zarten Leinen. Und grüne Männlein?

Ich stopfe mir grüne Watte in die Ohren. Dämpfer, Wärme, Filter, Feme. Manchmal höre ich meinen Atem. Manchmal meinen Herzschlag. Ansonsten zähle ich Maschen. Maschen für Mozart, wir sind ja immer noch in Wien. Mozart ist überall. Meine Maschen sind brombeerfarben und unbestreitbar sinnvoll: in beschaulichem Fortschritt, beruhigendem Wachstum, produktivem Handwerk liegen die Qualitäten des Socken- Strickens.

Go to gate. Mehrsprachig. "Mein Name ist Fuchs. Ich bin Ihr Kapitän." Sprachlich richtig? Abgehoben. Der Vogel fliegt. Durchbruch. Das Blaue schlüpft aus dem Weißen. Und ewig die Sonne. Die Sonne der Eisvölker. Die Sonne der Wüstenvölker. Der Vogel schüttelt sich. Die Fluggäste sind verunsichert. Dabei stellt sich heraus, dass eine Eurythmistin neben dem Sprachgestalter sitzt. Wer hat sich das ausgedacht? Revive steht auf dem Pappbecher. Lebe auf, belebe dich. Wie, ohne Mittagessen? Reviviscimus. Nähre dich aus andern Quellen! Exit. Baggage. Warten. "Two persons to Pirea." ''First I want to kno~ to which island you go." "Naxos." - Er lacht zufrieden und schiebt zwei Busfahrkarten über den Schalter. Eine stehende Stunde Fahrt zum Hafen. Eine Stunde Athenstaub und Gestank. Und dann macht es IIPingll, präsentiert sich blauglänzend das Meer mit weißen Segeln hinter grünen Palmen (P- Vorhang auf .. .- glitzernde Lichtpfeile ... ng- tief eintauchen).

Und dann war es da. Das sanfte Wiegen auf dem Meer. Sanft gewogen in einem Meer aus Worten. Wie heißt Du? Wo gehst Du hin? Warte! Schau her! Aus Erinnerungen schlagen griechische Worte ans Ufer der Gegenwart. Draußen dämmern Inseln im rosigen Dunst der See. Darüber der Halbmond, in Rosenschleier gehüllt. Der Mond ist schön. Nicht schön ist das Kunstlicht, die Klimaanlage, der Dauerfernseher, die Geschwindigkeit, die den Aufenthalt an Deck verbietet. Künstlich, klimatisiert und beschleunigt verliert sich die Kultur beschaulich-ruhigen Er-Lebens.

Der Gockel weckt die Glocken der Insel. Nach der Nachtmusik ist das Brot beim Bäcker flöten gegangen - er schläft mit dem Kopf auf der Theke. Aufstieg zum Zeus. Im Olivenschatten weiden himmelblaue Schafe. Aufsteigende Gedanken (Lehrer-sein. Hilfe zur Selbsthilfe geben. Selbsterziehung zur Erziehung gewähren. Je größer Liebe und Mitgefühl, desto tiefer die Andacht). Am Gipfel reitet der Blick auf großen Vogelrücken, sitzt rittlings im braunen Federflaum. Ich setze meinen Blick / rittlings auf den Rücken / des großen Vogels / beobachtende Beschaulichkeit / gleitendes Bleiben im Ungewissen / ohne zu taumeln // der große Vogel/mit den weiten Schwingen / den langen / schwarzen Schwungfedern // in der Stille / der Anblick / hoher Weisheit / das Sirren / der geteilten / Luft. Halleluja. Unversehens tauchen wohl zwanzig dieser Vögel aus dem luftigen Nichts auf, erkreisen einen unsichtbaren Turm, gleiten nach einiger Zeit wieder davon. Zu nachbarlichen Inseln, ins Dämmerlicht über dem Meer, zauberhaft. Abstieg. Die Zikaden im Tal, der Duft der Feigen nehmen uns in Empfang. Die Abendschafe, wollweiß gewaschen.

Und ich nehme / meine blaue Schaufel/meinen blauen Eimer / und gehe ans Meer // ich grabe mir einsam einen Priel/aber ich grabe // ich sammle mir einsame Kiesel / aber Mannor sind sie // und um rotweif3e Tünne / winde ich Stunden / langer Weile. Heute hatten die Inseln Rat gehalten, hatten Wind geschickt, den Meeresdunst verblasen, schauten sich von Angesicht zu Angesicht und raunten: die Welt mit Schönheit striegeln - allem zum Trotz.

Stundenlang klackerten die Würfel auf dem Holzbrett. Stunden längten sich im Cafe der stammalten Platanen. Die Sonne sank rotgesäumt ins Meer, der Mond stieg perlweiß aus den Bergen. Ich saß und hatte alle Stunden vergessen. Erinnerungen nicht wecken, nicht aufwühlen, in der Ruhe belassen. Wie friedliche Steine, die ihre Wimpern geschlossen halten. Im schönen Glanz der Abendstunden bauen Erinnerungen an Lebensspuren. Sie bauen in Stille. Sie bauen aus Verzicht. Denn sie sind ohne Zukunft.

Die Eiche liebt Widerstand. Die Binse das Harmonische. La Fontaine schrieb eine Fabel. Ich schreibe: Nachgeben, nachsichtig und vorsorglich sein ist gut für das Leben. Und drüben liegt Patmos, Johannes' Insel. Auch Johannes schrieb und schrieb. Hart ist der Felsen, heilig die Stimme. Das Brot bringt der Adler.

Moutsouna. Fischer flicken Netze, Kinder angeln an der Mole, Schiffe schaukeln auf der glatten See. Vor der Taverne stehen blaue Flechtstühle, blaue Blechtische mit glasblauen Aschenbechern und flackerblauen Gasflämmchen. Die Türen sind blau, die Fenster sind blau, die Geranien sind rot. Geranien, häusliche Blumen, lieben es, geputzt zu werden. Hübsch ist die Taverne. Ein Stück Bug, Stücke vom Steuer, vom Ruder, Rettungsring und Reling, Glasgalonen und Amphoren mit Basilikum. Bougainville und wilder Wein ranken vom Schilfdach, an den Wänden hängen Karten, Seekarten, Karten mit maritimen Knoten, Karten mit Fischarten. Dort eine Windmühle mit aufgezogenen Segeln im Spielzeugformat, ausrangierte Werkzeuge und Förderloren vom Schmirgelbergwerk, daneben Steinbänke und Kissen, Holzschemel mit Ziegenfell. Ein Holzboot ist zur Kühltheke umfunktioniert, auf zertrümmerten Eisbrocken schimmern die schönsten Fische, drumherum sind Körbe, Anker, Netze, Schwimmkorken, Seesterne, Taue, Tonscherben, rostige Reste muschelverkrusteter Gewichte und ein ruiniertes Radio arrangiert. Und Steine mit Loch, Glückssteine! verkündet die fliegende Möwe aus Holz.

Die glänzende Abendstunde zeitigt rote Sterne. Der Himmel tauscht Türkis gegen weißes Gold. Der Vollmond steigt aus dem Wasser, meergeboren wie Venus, brombeerfarben, dann bronzen, und rosenrot ist seine Spur vom Horizont her bis zum Ufer. Der Frachtkran auf der Mole hat ein dunkelgelbes Licht angezündet. In seinen Seilen pendeln Mädchen mit Rüschenröcken wie Nachtfalter. Jungen ziehen sich an einem Flaschenzug aus dem Wasser, um gleich mit einem Salto wieder ins nachtschwarze Meer zu springen. Ich setze den Fuß auf die Mondspur im Wasser und siehe, sie trägt. Mondschatten dufteten nach kleinblättrigem Jasmin, Bergdörfer waren Lichtnester zusammengestiebter Glühfunken, Lichtleinen banden den lichttrunkenen Abend an einen glückseligen Morgen. Kalinichta, Kopella!

Der Wind verschwindet im Rachen der Nacht, keine Welle kräuselt sich, kein Weinblatt bebt. Stille tropft aus den Sternen. Der Wind steht am Morgen auf, reckt und dehnt sich, fächelt im Palmengeflecht, faucht durch die Büsche, weckt die Bienen, trocknet das Brot, verteilt die Wärme der Mauem, versickert. Der Wind reißt und rüttelt wie der Wolf das Lamm. Der Wind, der Runenrauner.

Drosiani. Kuppeln und Kapellen. Schimmelreiter und Kreuzritter. Liebelächelnde Engel. Marmorgemeißelte Ranken und geheime Zeichen. Steinmauergestützte Terrassen, uralte Oliven. Alles vom Schurwollfließ der Sonne überwallt.

Kinidaros. Rundplatz, Baumdach, aus Felsen wachsend. Hier raten die Ahnen, dienen aufrichtig Gerechtem im Bild des Kosmos zwischen Krone und Wurzel. Weisheitsvolle Wesenhaftigkeit, alle Elemente, Jahreszeiten durchwebend. Leben ist ewiges Leben. Fotodoti. Wollsteine: Schafe in der Dürrnis. Oregano sammeln. Salbei schneiden. Mandeln pflücken. Sonnenlicht in wilden Hafergräsem. Rauschen in trockenen Büschen. Rauschen in Schaum und Gischt. Rauschen perlmuttschimmernder, graublauer Fittiche.

Meine Steinbank im Weinberg, von Felsbrocken, Eukalyptus, Akazie, Konifere, Kaktus und Gummibaum geschützt, steht unter einem Palmblattdach. Auf dem Steintisch ein Topf Basilikum. Davor ein Nifi, ein Bräutigambaum, den manchmal eine Schwarzmeise oder eine Spatzenschar beglückt, Geranien und alles überfließende Bienenblumen. Der Blick geht über Gartentor, Weinreben und tieferliegende Felderstreifen zum Meer mit den weißen Segeln und den weißen Fähren, zur Nachbarinsei und zum schlossbekrönten Häuserberg der Kykladenstadt. Am Ast des Nifi hängt ein Windfaden: Muschelsegel und Schalenstücke im Lot.

Der Weg zum Gartentor, der Boden des lichtfleckigen Schattenplatzes und in der Weinberghütte sind aus groben Steinplatten gefügt. An den Wänden, außen und innen, körniger Weißputz. Alles Innen ist auch Außen. Ein bauchig gerilltes Tongefäß mit Geranien steht neben der Gasflasche vor dem Küchenfenster. Daneben eine Lampe, Geckos Nachtjagdrevier, und die schlüssellose Flügeltür mit winzigem Bogenfenster, flankiert von Hufeisen und Bocksgehörn. Der Eingang ist mit Koffern und Badetaschen vollgestopft. Das winzige Bad gegenüber der Küchennische (Spüle, drei Gasflammen, Kühlschrank) veranschaulicht das "Greek-System": deckellose Toilette mit Wackelbrille, Waschbecken mit herausziehbarem, angeschlauchtem Wasserhahn als Dusche, und danach: alles überschwemmt. Die Überschwemmung ist mit einem Gummiwischer, die auswärtige Pfütze im Küchenflur mit einem vielarmigen Schrubber zu beseitigen. Mit Liege und Bett ist die Weinberghütte komplett. Manchmal sirrt es - Stechmücken. Manchmal raschelt es im Palmendach - Omorfulka, die Allerschönste, die Buntnasige, die dreifarben Seidenschweifige schleicht vorbei.

Manchmal miaut es - Bonifatius hat Hunger. Die bettelnde Bestimmtheit passt nicht zu seiner eleganten, schwarzschlanken, hochbeinigen Erscheinung. Traubengrüne Augen blinzeln. Rocca mit den Goldaugen, dem weiß-maisfarbenen Fleckenfell und dem buschigen Schweif ist still, lässt sich Zeit mit dem Näherkommen. Manchmal bellt ein Hund - Zesar, der mit den roten Bernsteinaugen. Er bewacht die flache Platte, Tsanakou, mit ihren ummauerten Weinterrassen, dem Hühnerhof, den weißen Häuschen, dem Wasserbassin, mit dem Weinkeller und der Konfitüreküche - das kleine gute Gut.

Die Wäsche zerrt und zappelt an der Leine, besteht flatternd den Flugschein. Am Pass fliegt die Vier-Winde-Mütze davon. Die Insel selbst braust durch die Ägäis, ferneren Zielen zu, mit schäumenden Schwanenflügeln. Auch auf der anderen Inselseite bläst wie wild der Wind, heiß, vom Festland aufgekocht. Die leere Soda-Dose glüht im Schatten, das Brot bricht wie Zwieback. Aber unbeirrt lehrt uns die Insel das So-Sein - nach allen Regeln der Kunst.

Agios Artemios. In welche Richtung weist das Schild? Windverdrehte Frage! Ein Schotterweg ruiniert den uralten Fußsteinpfad, verschandelt das schmalsteile Tal, zerschneidet die Atmosphäre für Bequemlichkeit und Schnelligkeit, dumm sind die Menschen, die alles dem Ursprünglich-Heilen entreißen. Unten an der Brücke steigen wir ins Bachbett und aufwärts wildlings Richtung Quelle. Rauschend-schützender Schatten von Schilf, Ahorn, Erle, Platane. Spiel der Libellen. Flusskrebse, versteckt! Schmetterlinge schrecken von ihren Schlafsteinen, rotflatternde Farbtupfer im blättergrünen Dämmer. Der Bach gluckst, anmutige Fülle, vom Sommer unangetastet. Oleander entfaltet fünfsternige Blüten aus windradgedrehtem Rosarot. Wasserumspülte Lorelei-Steine und Sandbänke. Schattenbetupfte Tümpel und Tiefen. Grüne Laube über plätscherndem Pfad.

Die Einsiedelei ist verfallen, als Stall und Schuppen verbraucht, aber noch sind die Apsiden aneinandergereiht, verraten spielerisch verschachtelte Grundrisse, Kuppel an Kuppel, kleine Kapellenschiffe und Glockenbögen - eine Fledermaus - hört mich nur - ich hör sie nur - hinaus in die Mittagsglut ... Dann nur noch Sehnsucht nach Schatten und Rast. Rote Pfeile weisen weiter, führen zum Bach, zur gefassten Wasserstelle, Flussplatz mit Wasserrinnen und Wasserfällen, mit Sandufer und Sonnenstein für eine Wasserschildkröte. Ich bin wirklich im Paradies.

Durch Gärten gehen wir zurück. Mandeln, Granatäpfel, Birnen, Zitronen, Limetten, Brombeere, Feige, Olive, Walnuß. Eine Stieglitzschar. Das Glück des Gartens. Das Glück, "mein Garten" zu sagen ... und wenn ich der Ödnis nur das kleinste Stück entrisse, um drumherum eine Mauer zu bauen, hortus concJusus, und um Rosen und Lilien und eine Palme zu pflanzen ... dann die Pforte der Zedern, Eminenzen feierlichen Schweigens ... wir sind entlassen.

Der heißeste Sommertag. Ermattet im Schatten. Selbst die Schiffe, nach Namen und Bestimmung bekannt, pflügen träge durch das Blau. Durch die vier Teile des Tages. Auch Kouronohori ist erschöpft. Das Dorf verfällt in verlassener Armut. Geflickte Vorhänge, vertrocknete Blumentöpfe. Ein altes zahnloses Weiblein winkt herüber. Kaffee? Gern. Dazu bringt sie Gebäck und Kakteenfrüchte, Jasmin und Verbene. Der kleine halbrunde Platz am Dorfrand über dem Tal (wie wir einstmals dort tanzten!) ist von einer streitbaren Trennmauer verstört. Auf einer vergessenen Marmorbank verblasst ein Rosenkissen. Vergänglichkeit.

Auch die Kykladenstadt (erstmals 1978) hat von ihrem Charme verloren. Überladene, hochglanzpolierte Läden, unüberschaubare Massen von charakterlosen Produkten konsumorientierter Nutzlosigkeit, unzählige, überfüllte Lokale, Musik, Lärm, Gerüche, Gedränge, der vormittägliche Rush auf die Parkplätze, am Wochenende der Sonntagssandstrandstraßenstau, die zerstörte Ästhetik der sanften Insellinie von Paros, in der Antennen wie Stacheln stecken '" ach, Erinnerung - spring - spring weiter - Arja Spring - und der springende Hirsch - auf einem Verkehrsschild.

Kleine bestellte Felder, Olivenhaine, Landfrieden. Byzantinisch braune Ziegelkapellen sind ins trockne Land geduckt wie staubbadende Glucken. Heimatmuseum in Apiranthos, rote Kreuzstichstickereien, Handgewerktes, geformt und verziert. Eine Kammer voller Kleider, selbstgewoben, selbstgesponnen, selbstgeschoren, handgenähte: Zauber unzähliger Leben. Bruchstücke archaischer Marmorskulpturen, Tonscherben, Gefäße, Felsritzzeichnungen: mein Hirsch! Die prunkvolle Kirche mit dem Taubenturm.

Zu Mittag wieder am Meer, eine Schlucht hinunter, an Schmirgel, Bergwerk, Loren und Seilbahn vorbei. Lionas. Eine kleine weihrauch duftende Kapelle, brennende Kerzen, geprägte Silberschildchen, frische Blumen. Eine Taverne am Strand, die Mutter kocht, die Söhne bedienen, der Vater feuert den Grill, lächelt. Dann im Schatten eines Retsinibaumes zwischen Fischerbooten schlafen. Wellenweiße Donnerpferde mit Regenbogenmähnen zähmt der Kieselstrand: mein Meermarmor! Soviel Salz, Sonne, Seeluft auf der blanken Haut. Soviel Freude, bis in die Zehenspitzen. Eine Stimme singt, singt den Abend herbei, ruft die Ziegen zur Tränke, lobt den Tag in seiner Einfachheit. Im Dreieck der Oliven wächst mein Wesen zu Krume und Kern.

Morgenröte über Athen, die Eulenäugige mit dem Morgenstern. Wir entfliehen dem Moloch mit dem feuchtheißen Schlund, dem erstickenden Gestank, dem ohrenbetäubenden Lärm. Aegina ist die Insel der Morgendämmerung. Morgen, Möwen, Fischerboote, Frühstück am ruhigen Rand des Hafens. Alte Damen nehmen ihr Morgenbad, bekreuzigen sich vor dem Gang ins Wasser, im sanften Licht des erwachenden Tages, plaudern, plaudern, planschen. Möwen sitzen auf der Mole aufgereiht. Der Straßenkehrer fegt den Uferweg, füttert die Fische, füllt Wasserflaschen, um den alten Damen den Sand von den Füßen zu waschen. Guten Morgen. Sei bedankt. Kleine Fähren kommen und gehen, ein leichter Wind zupft an Fähnchen, kleine Wellen kommen und gehen. Möwen gleiten im leisen Wind. Stunden leichter Beschaulichkeit, im Himmelblau vertäut.

Auf einem Delfin fliege ich heim. Nur Himmel und Meer, nur Sonne und Lichtfunken, nur Wind und Wellenrauschen, fern eine Insel, fern der Horizont. Mit meinem kleinen Netz / ich weiß nicht / ist es für Fische / oder Schmetterlinge / hab ich im großen Blauen / oben wie unten / gefischt // und / Frieden / gefangen. Den Frieden friedlicher Tauben. Taube und Traube. Traube und Wein sind Dionysos' Söhne. Ariadne, die Mutter, lehrt sie, die Rebe zu kultivieren und zu klären, den roten Faden zu spinnen und die Logik des Labyrinths zu denken. Der Vater lehrt:

Alles in Maßen ... und rosefarben ist das vom Grau abgeschöpfte Grau, gris de gris, die vom Sommer abgeschöpften, feinduftenden Tage ... Ausgetrunken.

Trimenon Presse

REBENBERG

Naxos, 24.August 2006

Epiphanias, 6. Januar 2007 Valentinus, 14. Februar 2007 Frühlingsbeginn, 21. März 2007

 

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