Käse, Kitron und Kartoffeln - Allgemeines und gemeines Essay

Naxos ist natürlich bei all diesen Superlativen auch die fruchtbarste Insel der Kykladen. Sie hat große Wasserressourcen, obwohl der jahresdurchschnittliche Niederschlag von ehemals 600mm auf fast 300mm gesunken ist.
Trotz der hohen Berge (über 1000 Meter), die ja bekanntlich die Wolken zum Abregnen bringen, stehen dem naxiotischen Bauern verhältnismäßig wenig Wassermengen zum Bewässern seiner Felder zur Verfügung.
Von den ca. sechs Millionen Kubikmetern!!! Wasser, die die Insel an jährlichen und alten Wasservorräten hat, schafft er es immerhin dank technischer Beregnung und großer Elektromotoren satte 5 Millionen Kubikmeter über seine Pflanzen zu sprengen.
Die restliche 1 Million Kubikmeter verbrauchen die naxiotischen Haushalte und die Touristen.
Dank der europäischen Gemeinschaft konnten schon zwei Staudämme in Betrieb genommen werden, die zumindest das benötigte Brauchwasser sichern.
Und die Bildungsprogramme der sozialistischen Regierung in Athen helfen vielleicht in Zukunft mit, nicht nur die Bauern mit zinslosen Darlehen und immensen Zuschüssen in die für sie eher erfolglose Tourismusbranche zu treiben, sondern durch Aufklärung und Fortbildung nicht nur Tröpflerbewässerung, sondern auch andere, zufrieden stellende, qualitätsverbessernde Produktionsmethoden zu vermitteln.
Durch die Bohrung von immer mehr und immer tieferen Tiefbrunnen sind die vorhandenen Brunnen in großen Gebieten durch eingedrungenes Meerwasser unbrauchbar geworden. Das beeinträchtigt natürlich den Anbau der naxiotischen Saatkartoffel, die nicht nur hervorragend schmeckt, sondern auch in alle Welt gegen harte Devisen verkauft wird.
Ich sag's trotzdem: Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln. Noch.
In den letzten Jahren hat sich die Viehwirtschaft stark entwickelt; EG – konträr, wie jeder Europäer weiss.
Die Milchwirtschaft ist entgegen aller anderer Meldungen alles andere als erfolgreich.
Der naxiotische Bauer verkauft seine Milch für einen Betrag X an die hiesige Genossenschaft, die Milch geht per Kühllastkraftwagen und Fähre nach Athen, wird dort pasteurisiert und kommt zum fünffachen Preis wieder zurück nach Naxos. Unglaublich – oder?
Ähnlich übel sieht der betriebswirtschaftliche Aspekt bei der Fleischerzeugung aus.
Der Einzige, der hier richtig Geld verdient, ist der Metzger.
Für den Bauern sind die Preise seit fast zehn Jahren eingefroren, der Metzger hat 500% aufgeschlagen.
Und ganz nebenbei: der oft so gerühmte naxiotische Graviera (hergestellt nach dem Rezept des überaus köstlichen, schweizerischen Gruyere, aus Milch von Kühen, die auf grünen Almen stehen!) ist doch eine recht geschmacksneutrale Spezies seiner Art.
Wo soll der Geschmack auch herkommen, wo die Tiere doch die meiste Zeit des Jahres mit Kleie aus dem Sack gefüttert werden.

Ganz anders ist da der Ziegenkäse.
Vom frischen, ein-Tag-jungen Misitra, süß oder salzig hergestellt, hin bis zu den verschiedenen Stadien des schnittfesten oder steinharten Kefalotiri, der mächtig an guten Parmesan erinnert, können Sie die breite Palette der wirklich guten Käse genießen.
Nur schade, dass der köstliche Misitra nur über die Wintermonate hergestellt wird; ab April spielen die Ziegen und das Klima nicht mehr mit.
Die Schafzucht ist in Naxos fast bis auf null zurückgegangen; deshalb gibt es auch keine Feta-Produktion mehr. Schade.
Ein (Ziegen-)haar ist aber leider in der Suppe: durch die extensive Ziegenhaltung, unterstützt durch die in seiner Art unverantwortlichen Bezuschussung der europäischen Gemeinschaft, hat die Erosion der Insel einen starken Verbündeten.
Der Ziegenbestand auf Naxos ist mehr als doppelt so hoch, wie von engagierten Wissenschaftlern für die Region empfohlen.
Der Schaden am naxiotischen Biotop, unterstützt durch Wind und Wetter, ist enorm.
Die ehemals agrarbebauten Terrassen verfallen, das Erdreich wäscht ins Tal und zurück bleiben Granitglatzen.
Vielleicht sollte man das Osterfest zweimal im Jahr feiern?

Drimalia heißt der nordöstliche Verwaltungsdistrikt von Naxos mit seinem Zentrum Chalkoi; dort stehen die meisten der Olivenbäume. Oft hunderte von Jahren alt.
Ab Ende November werden die Oliven gesammelt und in einer der verschiedenen Ölmühlen zu feinstem, grünem, jungfräulichem Öl gepresst.
Den Geschmack probieren Sie am Besten mit frischem Weißbrot.

Eine andere Besonderheit finden Sie ebenfalls in Chalkoi: aus den Blättern und den Schalen der Citronfrüchte (Sie kennen das als Zitronat!) haben schon die Venezianer hier in Naxos ihren Likör hergestellt, Kitron genannt.
Die alten Schleckermäuler!
Am Besten trinkbar auf „crashed Ice“.
Diese Herstellungstradition wird heute noch erhalten von der Brennerei Valindras; sehenswertes Museumsambiente, wo auch noch Ouzo hergestellt wird.

rakivign

Alte Raki-Destillen bereit zum neuerlichen Einsatz


Nicht zu verwechseln mit dem griechischen Raki, der dem eher bekannten Trester, Grappa oder Marc entspricht.
Aber wohl eher von rauer Schnapsnatur, so wie ja auch der Naxiote und der Kreter von etwas rauerer Natur sind.

In noch nördlicheren Berggebieten um Apiranthos und Koronos wird immer noch Korund abgebaut. Dieses harte und schwere Gestein ist als Schmirgel bekannt, hat aber leider durch die Einführung von künstlich hergestellten Schleifmitteln sehr an Bedeutung verloren. An den Straßen sehen Sie häufig rostbraune Anhäufungen liegen, die zum Abtransport bestimmt sind. Heben Sie mal ein Steinchen auf.

Weniger Absatzschwierigkeiten hat dagegen der naxiotische Marmor.
Selbst im KaDeWe in Berlin liegt er in der Lebensmittelabteilung auf dem Boden.
Südlich von Kinidaros können Sie bestaunen, wie er aus dem Berg geschnitten wird. Ein Teil wird hier in Naxos zu Plattenware verarbeitet, der weitaus größere Teil geht aber in großen Blöcken per LKW in alle Welt.

Der Webstuhl hatte noch vor 20 Jahren seinen festen Platz in den Häusern. Sein Klappern war ein oft gehörtes Geräusch in den Gassen der Dörfer. Heute werden Sie das Klappern nicht mehr hören.
Industriell gefertigte Produkte haben auch ihn verdrängt.

Traditionsreiche Stoffe und Muster werden immer noch zum Kauf angeboten; lassen Sie sich kein Plagiat aufschwätzen.

 

 

 

auto

Go to top